/ BÜHNE, KOSTÜM, PUPPENBAU /
REGIE: Zita Szenteczki, Domokos Kovács
TEXT: Édouard Louis
PREMIERE: 2023, Jurányi Inkubatorhaus, Budapest
Eine politisch aufgeladene Bühnenadaption nach Édouard Louis, die familiäre Biografie und Klassengewalt durch präzise szenische Verdichtung und körperliche Präsenz miteinander verschränkt.
„Wenn dies ein Theatertext wäre, müsste er mit folgenden Worten beginnen: Ein Vater und ein Sohn stehen einige Meter voneinander entfernt in einem riesigen, leeren Raum. Dieser Raum kann ein Weizenfeld sein, ein verlassenes und ödes Fabrikgelände, ein Schulhof. Vielleicht schneit es. Vielleicht bedeckt der Schnee sie langsam und lässt sie verschwinden. Vater und Sohn schauen einander fast nie an. Nur der Sohn spricht, seine ersten Sätze erscheinen hell erleuchtet auf einem Blatt Papier oder auf einer Projektionsfläche. Er versucht, seinen Vater anzusprechen, zu ihm zu sprechen, aber man weiß nicht warum – der Vater scheint ihn nicht zu verstehen. Sie sind einander nahe und finden sich doch nicht. Ihre Haut berührt sich manchmal, sie kommen in Kontakt, aber selbst dann, in diesen Momenten, bleiben sie einander fern. Dass allein der Sohn und nur er spricht, ist für beide schmerzhaft: es nimmt dem Vater die Möglichkeit, sein eigenes Leben zu erzählen, und der Sohn wartet auf eine Antwort, die er niemals erhält.“ – Édouard Louis
Édouard Louis’ autobiografischer Roman zeigt in Erinnerungsfragmenten die Beziehung zwischen dem Autor und seinem Vater: ihre Kämpfe miteinander, um gegenseitiges Verstehen und Akzeptieren, sowie um das Erleben und Zeigen der Liebe zueinander. Nach der Definition des Autors ist der Text die Gesamtheit der Liebesbriefe an seinen Vater – oder noch mehr: ein Roman darüber, warum es so schwer ist, einander zu sagen: Ich liebe dich. Wer hat meinen Vater umgebracht ist eine intime Geschichte, doch im Zentrum stehen das politische Umfeld und die Frage der gesellschaftlichen Verantwortung. Die Inszenierung versucht, Puppentheater mit zeitgenössischem Tanz, einen Textchor mit einem politischen Manifest zu verbinden.
Nach dem Buch QUI A TUÉ MON PÈRE von Édouard Louis.
– FOTOS: DÓRA GULYÁS –








